Das Hobellied

   

 

Da streiten sich die Leut' herum

oft um den Wert des Glücks.

Der eine heißt den anderen dumm

am End' weiß keiner nix.

Das ist der allerärmste Mann

der andere viel zu reich.

Das Schicksal setzt den Hobel an und

hobelt alle gleich

 

Die Jugend will halt stets mit G'walt

in allem glücklich sein

doch wird man nur sein bisserl alt

da findt' man sich schon drein

 

Oft zankt mein Weib mit mir, oh Graus

Das bringt mich nicht in Wut

Da klopf' ich meinen Hobel aus

und denk': "Du brummst mir gut."

 

Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub

und zupft mich:"Brüderl kumm!"

da stell' ich mich am Anfang taub

und schau' mich gar nicht um

Doch sagt er:" Lieber Valentin,

mach' mir keine Umständ', geh'!"

Da leg' ich meinen Hobel hin

und sag' der Welt: "Ade!"

 

Ferdinand Raimund
     
 
In kaum einer anderen europäischen Stadt ist das Morbide so gegenwärtig wie in Wien – der Stadt und ihren Bewohnern wird eine enge Vertrautheit mit dem Tod nachgesagt. Nicht verwunderlich also, dass zum Beispiel auch die zehnte Jahrestagung der Europäischen Totentanz-Vereinigung (ETV) ab Freitag in Wien stattfindet. 
 

Nirgendwo sonst wurde der Tod so oft besungen und bedichtet wie in Wien. "Der Tod, das muss ein Wiener sein", sang der Wiener Kabarettist Georg Kreisler. Die Todesnähe gehört zum Charakter der Wiener. Alfred Polgar drückte dies so aus: "Der Witz ist nämlich der: wennst Leben wüsd, muasst übers Sterbn redn".

Ich möchte euch hier die Geschichte des Verhältnisses der Stadt Wien zum Tod erzählen, und diejenigen Orte vorstellen, an denen diese Geschichte ihre Spuren hinterlassen hat. (Lilith)

 
 
In unregelmäßigen Abständen: Der traurigmorbide Online-Streifzug durch eine tieftraurige Stadt. Ich warte auf euch. Lilith.
 

Teil I: Zur Geschichte der Bestattung in Wien

 
 
 











 
 
 

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