Ab sofort werden wir an dieser Stelle jede Woche unser "Album der Woche" vorstellen. Dank unserer Kooperation mit dem Wiener Szene-Shop Nexus wird das aktuelle "Album der Woche" auch immer direkt im Nexus aufliegen. Einfach hingehen, reinhören und sich selbst überzeugen. Übrigens: Jedes "Album der Woche" gibt's im Nexus um 10 Prozent günstiger! Nähere Infos gibts unter:

 

 

 

Der Nexus-Shop:

Achtung! Nexus übersiedelt gerade und eröffnet am 15. Juli in der Zollergasse 13 einen neuen Shop.

 
 

 

V on vielen Fans sehnlichst erwartet – das neue Album der Kultformation Welle:Erdball! Vier Jahre sind seit dem letzten Album „Wunderwerk der Technik“ bereits vergangen, wobei die EP „Nut tote Frauen sind schön“ die Wartezeit etwas verkürzt hat. „Chaos Total“ nennt sich das am 1. September erschienene neue Werk, wobei neben dem Longplayer noch eine DVD und einige Goodies beigepackt wurden – noch mehr Grund zur Freude für den wahren Fan ;-) Prinzipiell muss vorab schon erwähnt werden, dass das neue Album keine überraschenden Innovationen beinhaltet, aber ehrlich gesagt halte ich das bei Welle:Erdball nicht unbedingt für zwingend notwendig. Der einzigartige Retrosound im Kontext mit den eigentümlichen ironischen Texten bildet den Hauptanziehungspunkt der Band, wozu also krampfhaft nach neuen Spielarten suchen? Retro bleibt Retro… Minimal Sound, ausreichend C64-Charme und eine Prise Retro-Schlagermusik – solide, unterhaltsam und dennoch die Erwartungen befriedigend. Für meinen persönlichen Geschmack wären Titel wie „Das Souvenir“, „Poupee de Cire“ oder „Graf Krolock“ gut verzichtbar, da ich schon auf den vergangenen Alben ähnlich schnulzige Songs mit gutem Gewissen übersprungen bin. Obwohl „Poupee de Cire“ ist eine ganz nette Coverversion des franzözischen Originals von France Gall ist… Eine Art Coverversion von „1000 weißen Lilien“ ist auch der Titel „Nur tote Frauen sind schön“, wobei der Song wohl eher als eine Fortsetzung des ursprünglichen Titels zu sehen ist, der bereits durch die EP „Nur tote Frauen sind schön“ zum Hit geworden ist. Ob Welle:Erdball durch das neue Album neue Anhänger für sich gewinnen können sei dahingestellt, einem eingefleischten Fan wie mir beschert es auf jeden Fall höchste Zufriedenheit und Hörgenuss! Und Titel wie „Chaos Total“, „Das Alpha-Tier“ oder „Nur tote Frauen sind schön“ werden bestimmt einige meiner DJ-Sets bereichern…

Anspieltipps:

Chaos Total

Alpha-Tier

Nur tote Frauen sind schön

Kneif mich

Das Sternenkind

 

Fazit:

Welle:Erdball Chaos Total

 

Monoton und minimal - genial! (6)

                                                                                                                                                                 (Justine)
 
 
 

 

N ach ihrem eher rohen und unausgereiften Debüt „some atomik songz“ melden sich die jungen wilden Franzosen mit ihrem aktuellen Werk „elektronic blakc mess“ unüberhörbar zurück. Eines vorweg: Tamtrum bleiben sich selbst treu und versuchen nicht wirklich zu einer Art Black Metal band zu mutieren, wie der Albumtitel vielleicht vermuten lassen würde.Obwohl bei “In a little skull box“ Rose Hreidmarr, der Frontmann der Black Metal Band anorexia nervosa, den Gesangspart übernimmt, erwarten einen die für Tamtrum so typischen, schnellen harten Beats und verzerrte Synthiesequenzen, gepaart mit wenig bis gar nicht verzerrten aggressiven Vocals - englisch und französisch. Der für manche sicher sekundäre Inhalt des Albums handelt von sexueller Gewalt, Drogenmissbrauch bis hin zur Abrechnung mit der katholischen Kirche („abort the pope“). Für ein Projekt, das Provokation und Aggressivität proklamiert, auch keine wirkliche Überraschung - ausgenommen der Track „My Fall“, der eine Elektroballade im düstersten Stil darstellt. Leider ist der Text nur denjenigen vorbehalten, die der französischen Sprache mächtig sind. Weiters gab es in Punkto Produktionsqualität und Eingängigkeit eine hörbare Weiterentwicklung. Tamtrum hält dem oft verwendeten Vergleich mit Agonoize und Hocico stand, der für mich aber aufgrund der verschiedenen Intentionen der Projekte dennoch unpassend erscheint. Auf der Bonus CD der limitierten 666Stück Box gibt es interessante Bonustracks, Videos und einige Remixe, u.a. von Unter Null, Combichrist, Grendel sowie nebst den üblichen Goodies wie Fotos, Poster und einem Button auch ein Kondom mit den Konterfei des Papstes. Hier haben Tamtrum ein überwiegend kompromisslos hämmerndes Werk, welches streckenweise wirklich neue Facetten der extrovertierten Franzosen erahnen lässt, abgeliefert.

 

Anspieltipps:

CD1

In a little skull box

The world you live in

Pervert Inc.

Deshumanization

My Fall

CD2

Le son de la pluie (2k6 Version)

Zero killed (feat. Punish Yourself)

Abort the pope (Crucimix)

Fazit:

Tamtrum Electronic Blakc Mess

Schnell, hart, schmutzig - Tamtrum! (5)

 

                                                                                                                                                        (John_C)
 
 
 

 

D rei Jahre lang herrschte relative Stille im Hause XPQ-21. Heuer meldeten sich die italienischen Electro Formation rund um Mastermind Jeyenne mit einem neuen Album zurück, das abwechslungsreicher nicht sein könnte! Electroeinheitsbrei durfte man erfahrungsgemäß sowieso nicht erwarten, dennoch war ich sehr überascht, als ich das erste Mal in das Album reinhörte. Bei Tracks wie „Rockin’ Silver Knight“ oder „Jesus Was Gay“ könnte man fast glauben versehentlich ein neues Prodigy Album eingelegt zuhaben ;-) „In Your Eyes“ besticht mit eher lieblichen Future-Pop-Charme, „Sonne“ spannt mit deutschem Gesang und EBM -Touch wiederum den Bogen zu den wummernden Tanzflächenfüllern „Beautiful“ und der Clubversion vom bereits hinlänglich bekannten Hit „White And Alive“. So weit, so gut... Aber das gesamte Spektrum des Albums ist damit noch lange nicht beschrieben! Die restlichen Songs würzen „Alive“ noch einmal kräftig mit 80er Wave, Minimal und Indie Pop. Langeweile stellt sich bei keiner einzigen Nummer ein, als Goodie gibt’s auch noch eine Remix CD,die aber vielleicht nicht jedermanns Geschmack trifft. Der eine oder andere Remix ist allerdings für den DJ-Gebrauch durchaus brauchbar.

Anspiel-Tipps:

Rockin' Silver Knight
White And Alive (Club)

Jesus Was Gay

Sonne

Dead Body

Beautiful

Fazit:

XPQ-21 Alive

Immer und wieder gerne gehört- in voller Länge! (5)

(Justine)

 
 
 
 
 

 

Ich weiß, ich neige bei Musik zur Begeisterung. Schöne, kluge oder emotional stimulierende Dinge fallen bei mir immer auf fruchtbarem Boden. So muss ich aber leider mitunter feststellen, dass mir in den letzten Monaten eine gewisse Begeisterungslosigkeit anheim gefallen ist – zumindest was den Hain der üppigen wuchernden Electrobands betrifft. Außer „Fractured“ traf während der letzten Monate wenig mitten in mein Electroherz. Vielleicht will man einfach immer mehr, gibt sich nie zufrieden mit dem was einst gut war. Und dann: Kam die neue Leaether Strip. Nach der Maxi „Suicide Bombers“ blickte ich eigentlich relativ gelassen „After the Devastation“ entgegen. Und so kam es auch, dass ich das neue Meisterwerk am Elektrohimmel in einer sehr erwartungslosen, ja fast gelangweilten Stimmung zu mir nahm. Was sich aber dann um mich herumschlich, was sich da entfaltete, war ein ganzes Weltmeer an abwechslungsreichem Electro, der gleichzeitig so analog modern klingt, dass man meinen möchte, digital sei gestern. Und als dann Nummern wie „Dying Is Easy – Life Is Harder“ oder „Slam“ oder das wunderbar böse „Smerte“ begannen sich an mich zu schmiegen, wusste ich, ich bin wieder begeistert. Eine Nummer besser als die andere: Ob „Gaza Strip“ oder „Junkie Do – Junkie Die“ – für mich gibt es auf „After the Devastation“ keine einzige Schwachstelle. Selbst mein zuvor eher abgelehntes „Suicide Bombers“ ist mir ans Herz gewachsen. Eine Nummer aber, und das sag ich jetzt hochmütig und ganz frech, die hat Claus Larsen einzig und alleine für mich geschrieben. Und das ist „What If...“ What if you understood. What if I told the truth. Would you still be in my life [...] The only way to free yourself is to protest. Ein Himmel voller sechs Punkte. Und das mit Ausrufezeichen!

Anspiel-Tipps:

Dying Is Easy Life Is Harder
Slam

Smerte

What If...

Gaza Strip

Fazit:

Leaether Strip After the Devastation

Die Offenbarung - voller digital-analoger Schönheit. (6)

(Hohenstaufen)

 
 
 
 

 

Ich muss sagen, ich bin freudig überrascht. Dachte ich vor einigen Monaten noch, dass das Genre des Gothrock seine besten Alben längst hinter sich hat, so belehrte mich Carl McCoy dieser Tage schamlos eines Besseren. Ich erinnere mich noch an die Tage der späten 80er, an denen neben Andrew Eldritch (Sisters of Mercy) und Wayne Hussey (The Mission) auch Carl McCoy die Cover vieler Indie- und Mainstream-Musikzeitschriften schmückte. Schnell mauserte sich dieses Triumvirat des Gothrock über die Jahre zum Kult, der in manchen Szenenkreisen heute nur mit entsprechender Ehrfurcht zelebriert werden darf. Jetzt – Ende 2005, mehr als 15 Jahre später – will es Carl McCoy endgültig noch einmal wissen. Während sein Kollege Eldritch sich in peinlich langweiliger Reminiszenz (M'era Luna 2005) übt, schafft Carl McCoy ähnlich wie Wayne Hussey, mit dem neuen Album der Fields endgültig den Sprung in die Gegenwart. Dabei geht es aber nicht Anbiederung an das Neue sondern um die Authentizität des Alten, der Ursprünglichem. „Mourning Sun“ kann es spielend mit allen großen Gothrock-Alben der Geschichte aufnehmen; der düster-romantische Atem, der einem hier wuchtig und staubig entgegen strömt, ist zeitlos, groß und epochal. Was mich aber am meisten beeindruckt und eben so überrascht, ist die dunkle, kraftvolle Leidenschaft, die diesem Album innewohnt. Wenn das Herz des Gothrock pathetisch, symphonisch und atmosphärisch ist, dann zeigt „Mourning Sun“ von den Fields of Nephilim, dass dieses Herz noch sehr lange schlagen wird. Für mich ein Meilenstein.

Anspiel-Tipps:

Straight To The Light
New Gold Dawn (!)

She

Mourning Sun (!)

Fazit:

Fields Of The Nephilim Mourning Sun

Ein schwarz-mächtiges Pathos voll umwerfender Schönheit. (6)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Die Angst der Gewissheit liegt in der Luft. Die Sieger spüren, dass ihre Stunde naht. Die Verlierer sind dem Untergang geweiht und ihr Schicksal scheint besiegelt. Kapitulation. Dies beinhaltet keine Kompromisse. Die musikalische Auseinandersetzung mit dieser Thematik bedient sich dieser Kompromisslosigkeit in gewohnter Feindflug Qualität. Die Mixtur aus hartem electro - industrial beinhaltet sowohl bewährte Elemente als auch eine sehr signifikante musikalische Weiterentwicklung die gemeinsam eine sehr ausgewogene Balance ergeben. Die Intensität der Titel folgt der vorgegeben Dramaturgie des Untergangs. „Truppenschau" kann man als stilistischer Höhepunkt des bewährten Stils von Feindflug hervorheben. "Ätherkrieg" ist stellvertretend für die neue Härte in der Musik von Feindflug - einer meiner absoluten Favoriten. Die Tatsache, dass sich das Artwork und Design von Feindflug der Sujets des Krieges bedient, führte in der Vergangenheit immer wieder zu Missinterpretationen. Use your brain and think about it! Falls das nicht reichen sollte, gibt's eine sehr klare und deutliche Positionierung der Band, die man auf der CD nachlesen kann. Abschließend bleibt nur noch anzumerken, dass Feindflug mit Volk und Armee wieder ein sehr eindrucksvolles und qualitativ hochwertiges Produkt abgeliefert hat, das sicherlich weiterhin die Vorreiterrolle in der Electro Szene eindrucksvoll unter Beweis stellt. Dies ist eindeutig keine Propaganda! ;-)

Anspiel-Tipps:

AK 47
Truppenschau

Sperrfeuer

Ätherkrieg

Neue Sieger

Fazit:

Feindflug [Volk und Armee...]

Kontrovers, spannend, zeitlos. (6)

(Eisengrind)

 
 
 

 

Synapscape sind wieder da. Und das aufregender, vielschichtiger und bedrohlicher als je zuvor. Knapp vier Jahre haben sich Philipp Muench und Tim Kniep nach „Positive Pop“ Zeit gelassen, um mit ihrem neuen Album „Act!“ ein kräftiges Lebenszeichen in Sachen Industrial Noise/Rhythm zu setzen. „Eingang“ eröffnet den düsteren Reigen, voll rhythmischer Tragik und bedrohlicher Erwartung. Was dann kommt ist „The Hoe“, treibend, wummernd, ekstatisch. Nach „Freedom Kiss“ steigern „Reaktonoize“, „Sonique“ vor allem das großartig lässige „Wings“ - mein persönlicher Favorit, der mich frech an Captain Beefheart erinnert - das Tempo, werden brachialer, lauter, kompromissloser, fallen in sich zusammen, formieren sich neu. Sehr fein schließlich, „Katunga“, penetranter Höhepunkt mit fast schon orgiastischen Rhythmen. Oh ja! Ebenfalls großartig: „Soundcheck“, „Alice“ und „Masks“, allesamt ausgiebige Leckerbissen aus feinstem Industrial/Noise. Die neue Synapscape überzeugt nicht durch einzelne Club-Auskoppelungen, sondern durch eine perfide konzeptionierte Klangwelt aus ausgefeiltem Industrial mit einer fetten Brise Rhythm & Noise. Fünf Mal ein Punkt. Und jetzt: „Act!“

Anspiel-Tipps:

The Hoe
Reaktonoize

Sonique

Wings

Katunga

Soundcheck

Alice

Masks

Fazit:

Synapscape Act!

Rhythmus, Noize und Industrie. (5)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Da rührt sich was im Wienerwald. Als ich Ende dieser Woche die neue CD „Collapsing New World“ von Collapsing New People in meinem Briefkasten gefunden habe, wusste ich noch nicht, welches feine und vor allem vielschichtige Machwerk sich dahinter verbergen würde. Gleich die erste Nummer „The Beginning Of The End“ macht klar, wo die Reise hingeht: verspielte Retro-Electronic, veredelt mit Punk und Wave und der heute leider oft so selten gewordenen „Spaß an der Freud“. Schnell setzten sich die Songs in meinem Kopf fest, zauberten ein reminiszentes Lächeln auf mein Gesicht, bis, ja bis zu Song Nummer sechs: „Colour Of The Year“. Ich kann nicht beschreiben, was es genau ist, was diesen Song seit Tagen auf Auto-Repeat in meinem Player laufen lässt. Ist es die weltumarmende Melancholie? Ist es der fragile Sound, die wunderbare Collage der Vocals? Egal. Mit dieser Nummer haben sich „Collapsing New People“ in mein Herz gespielt. Und dann sind da noch „Off The Track“, „Collapsing New World“ und „Smoke & Spotlight“ – allesamt wunderbare Eckpfeiler, eines wunderbaren Albums. „Smoke & Spotlight“ ist es dann, dass mich endgültig mit einem breiten Lächeln zurücklässt. Mit dem Charme früher „My Bloody Valentine“ beschreibt die letzte Textzeile wohl am besten das Fazit des gesamten Albums. „… dedicate myself to the sound.“ Große fünf Punkte für eine hoffentlich bald große Band. PS: Zu hören und zu kaufen gibt's "Collapsing New World" übrigens auf ihrer Website.

Anspiel-Tipps:

The Beginnging Of The End
Colour Of The Year (!)
Off The Track

Collapsing New World
Smoke & Spotlight

Fazit:

Collapsing New People Collapsing New World

Heimischer Electronic/Wave/Punk, den man am liebsten den ganzen Tag hören möchte. Mein ganz persönliches "Colour Of The Year" (5)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Wie die meisten vielleicht schon bemerkt haben, handelt es sich bei Noisuf-X um ein Seitenprojekt von X-Fusion beziehungsweise um Mastermind Jan Lemkemper. Bei "Antipode" wird bewusst auf zahlreiche Stilmittel, die bei X-fusion zum Einsatz gekommen sind, verzichtet - stattdessen wird auf rhythmusbasierte, elektronische Musik der härteren Gangart gesetzt und die technoiden Elemente geraten mehr in den Hintergrund. Ein sehr gelungener Einstand mit einigen wirklich herausragenden Tracks wie zum Beispiel "Die Tam Tams klopfen nicht mehr"; vor allem durch die eingebauten Samples von Klaus Kinski getragen, die ihre Wirkung nicht verfehlen. "Antipode" ist ein komplexes Werk und fasziniert durch seine teilweise schroffen, experimentellen Sounds und die hypnotisch treibenden, harten Rhythmusstrukturen. Jedenfalls rangiert Noisuf-X bereits jetzt schon eindeutig unter den Highlights beim Schwarzflug.

Anspiel-Tipps:

Die Tam Tams klopfen nicht mehr
Apocalypse
Abschaum
Bastard
Die Mächte des Bösen
Axion

Fazit:

Noisuf-X Antipode

Rhythmusorientierte, elektronische Musik der besten Sorte mit Bewegungsgarantie! (5)

(Eisengrind)

 
 
 

 

Meine Damen, meine Herren: es ist wirklich unglaublich, was dieser Tage am Sternenhimmel der Neuveröffentlichungen über uns erstrahlt. Die Rede ist von „Neuromance“, dem fulminanten Debut-Album der Dope Stars Inc. Selten habe ich ein Album gehört, das einem gleich beim ersten Hören dermaßen an die Wand drückt, dass schier die Luft zum Atmen fehlt. Ich muss ja reuig zugegeben, dass ich selbst vor einigen Jahren der Meinung war, dass Rock'n'Roll längst tot sei. Mitnichten. Seit ich „Neuromance“ in meinem Player habe, strafen mich die vier Jungs aus Italien bittere Lügen. Waren es bislang meist Electro/Industrial-Bands, die den Gitarrenjünger zeigten, wo die wahre Hammerhärte liegt, so setzen die Dope Stars Inc. jetzt gehörig eines nach. Das ist Industrial/Cyber-Rock der aller, aller feinsten Sorte! Hart, verspielt, exstatisch, sexy, charmant aber vor allem eines: genial! Was Alex Vega, Victor Love, Grace Khold und Darin Yevonde hier zustande gebracht haben, das wird das nächste ganz große Ding am Musikhimmel! Nicht zuletzt deshalb, weil L'Âme Immortelle Mastermind Thomas Rainer und John Fryer kräftig am Produzentenpult mitmischten. Vielleicht bringt es folgender Vergleich am besten auf den Punkt: Die Dope Stars Inc. sind in Sachen Optik, Sound, Instrumentierung, Abwechslung und Energie das für die Musik, was Ferrari in den letzten Jahren für der Formel 1 war. Jungs aus Italien, wir lieben euch!! PS: Unbedingt reinhören in die limitierte Digi Pack mit feinen Remixen von Punto Omega, Funker Vogt oder Mortiis.

Anspiel-Tipps:

10.000 Watts

Platinum Girl

Make A Star

Rebel Riot

Theta Titanium (!)

Trance-Former

Fazit:

Dope Stars Inc. ://Neuromance

Sex and Drugs and Dope Stars! (6)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Andreas Davids ist zurück. Und mit ihm xotox – dem brachialen Cyberindustrial der Extraklasse. Eines schon mal vorweg: [PSI] ist anders. Anders als „lichtlos“, anders als „die unruhe“. [PSI] prügelt zwar auch recht ordentlich und zeigt an deutlichen vielen Stellen, wo der Industrial-Hammer hängt, aber dennoch gibt es dazwischen ruhigere Stellen; Stellen, an denen die sphärischen Soundschichten aufbrechen und einen kurzen Einblick in die Vielfalt von [PSI] gewähren. Bei 23 jahre etwa oder bei roboterkrieg. [PSI] hat insgesamt einfach mehr Struktur, mehr Tiefe als die beiden Vorgänger. Deutlich wird dies vor allem bei der Limited Edition. Dort gibt eine Schar illustrer Remixer, wie etwa [:SITD:], Kiew, Noisuf-X oder Mechanical Moth, ihr Stelldichein und interpretieren xotox auf oft wunderbar vielschichtige Weise. Kurzum: [PSI] lohnt sich. Und wie sagte John C unlängst zu Andreas Davids: „Nun können auch die hyperaktiven Österreicher wieder frei atmen.“ Womit ich ihm mit keiner Silbe widerspreche. Fünf Punkte für ein sehr feines Machwerk.

Anspiel-Tipps:

[psi]

lass mich

roboterkrieg

23 jahre

 

Fazit:

xotox [PSI]

Jetzt kracht's aber ordentlich...(5)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Obwohl die Vorabsingle „Exterminate annihilate destroy“ schon so einiges vorahnen ließ, ist es lange her seit dem mich ein Musikalbum dermaßen als Ganzes so emotional bewegt hat. (Ich denke es wahr „Empires“ von... na ihr wisst schon). Aber das ist auch schon eine Weile her, und so war ich angenehm überrascht von dem neuesten Werk der drei Ausnahmemusiker gun, krischan und rasc aus Gelsenkirchen alias Rotersand. Die Songs nehmen einen in Beschlag, führen einen an den Ort, wo man auf die eigenen puren Gefühle trifft, ohne in Kitsch oder Brachialität abzudriften - was man von vergangen Werken von so manchen bekannten Protagonisten leider nicht behaupten kann. Kompromisslos gute Musik, die sich nicht um die in sie gesetzten Erwartungen kümmert, sondern sich eigenständig den Weg in die Seele des Hörers sucht. Man hört und spürt die Freude und Frische mit der hier kreative Ideen aus allen Bereichen der Musik auf unwiderstehlich gestaltete Soundlandschaften treffen und so ein Gesamtwerk bilden ,welches den Hörer wie ein Mantel wohlig warm einhüllt, den man in unserer oft sehr kalten Gesellschaft gut gebrauchen kann. Der einzige „Minuspunkt“ ist, dass man nach „angels falling“ wieder in die Realität, wenn auch bedeutend entspannter, zurückkehren muss.

Anspiel-Tipps:

the last ship

storm

exterminate annihilate destroy

undone

alive

Fazit:

Rotersand Welcome to Goodbye

Musik zum Träumen und loslassen, oder sei es einfach nur um hemmungslos das Tanzbein zu schwingen,....noch Fragen? (6)

(John C)

 
 
 

 

Sapperlot, was geht da ab in Australien? Als ich vor ein paar Tagen „Brave New Desire“, die zweite CD von Stark, in die Hände bekam, konnte ich kaum glauben, was Mastermind Lee Bulig hier zustande gebracht hatte. So entfaltet sich gleich der Opener „Penetration – Thesis“ mit einer derart wuchtigen Portion Wahnsinn, dass einem schlicht das Hören und Sehen vergeht – und zwar gründlich! Dann aber – der Clubhit schlechthin: „Recreational Flesh Abuse“. Endlich greift mal jemand mutig in neue Samples und mischt neue Sounds und Harmonien zu einem orientalischen (!) Industrialgewitter, das jeden Alptraum wegwischt, als wäre es ein sanfter Frühlingswind. C Cat Trance trifft Hocico. Unglaublich! Es ist aber vor allem die Vielfalt, die „Brave New Desire“ auszeichnet. Kracher wie „Blossom“, das verspielte "Nursery Rhyme“ oder „Orphan“ verzaubern ebenso wie sie verstören. Und die ruhigeren Nummern wie etwa „Kong“, wühlen archaisch in unseren Schatten, verstören, erinnern und warnen. Übrig bleibt ein wunderbares Album, das seine Euphorie, die es gleich beim ersten Mal entfaltet, nie wieder verliert. Mit Handkuss für die Reminiszenzen an C Cat Trance – sechs Punkte!

Anspiel-Tipps:

Penetration - Thesis

Recreational Flesh Abuse

Blossom

Kong

Nursery Rhyme

Orphan

Fazit:

Stark Brave New Desire

Schweres donnerndes Machwerk - selten wurde mit dem Wahnsinn so perfide kokettiert. Unumstritten ein Meisterwerk! (6)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Mein Gott, nicht schon wieder Krach. Wer sich vom Titel des „Auto Aggression"-Album abschrecken lässt, ist selber schuld. Denn hinter Geräuschinformatik steht weit mehr krachende Club-Beats. Natürlich: „Reflector“, „Das Nyquist Theorem“ oder das schon bekannte „Blau“ bieten feinstes Clubfutter aber – und genau das ist die Einschränkung – mit vielschichtigem Tiefgang. Denn wer die Geräuschinformatik näher betrachtet wird bald feststellen, dass es vor neuen Ideen nur so wimmelt. Von ungewohnten Samples und unerwarteten Breaks und Sounds zeigt Auto Aggression wie Industrial der Zukunft aussehen kann. Vor allem das David-Lyncheske Gedanken-Experiment „Balken und Schwarz-Weiss-Kontraste“ oder das befreiend fragile „City of I.C.E., das mich fein an die Zeit eines Mark Steward erinnert, haben es in sich. Vielleicht trifft es das am besten: Auto Aggression spricht mit den unterschiedlichen Farben der Geräusche und berührt dabei ungebremst unser Innerstes. So darf man sich nicht wundern, wenn man während des Anhörens auf eine Achterbahn der Emotionen geschickt wird, wobei selbst das Denken als Stimmung wahrgenommen werden sollte. Interessant und intellektuell.

Anspiel-Tipps:

IIR Filter 3

Reflector

Das Nyquist Theorem

Balken und Schwarz-Weiss Kontraste

Fazit:

Auto Aggression Geräuschinformatik

Emotionale Industrial für den Club und für die Seele. (5)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Mind.In.A.Box sind zurück. Und mit ihnen ihr neues Album „Dreamweb“. Eines schon mal vorweg: „Dreamweb“ ist für mich schon jetzt eines der besten Alben des Jahres 2005. Nach der ersten Single-Auskoppelung war ich zugegebenermaßen etwas skeptisch. Certainty hebt sich zwar deutlich vom üblichen Electrobrei ab. Aber ist das neue Material auf „Dreamweb“ wirklich in der Lage die hohen Vorgaben von „Lost Alone“ zu übertreffen? Ist das überhaupt möglich? Es ist. Mein Gott, es ist. Wobei zu sagen ist, dass „Dreamweb“ sich erst nach einigem Hören so richtig erschließt. Die ersten vier, fünf Mal erinnern an „Lost Alone“, man hält als Hörer noch an den alten Lost-Alone-Strukturen fest (was für eine philosophische Finte), wähnt sich selbstsicher bereits zu Hause im eigenen Traumnetz. Doch dieses Gefühl ist trügerisch. Denn plötzlich schnappt die Fall „Dreamweb“ zu und man findet sich in einer Musik wieder, die direkt die Seele berührt. Und zwar genau dort, wo es weh tut. Perlen wie „Loyalty“ oder das wunderbare „Out of Time“ vereinen Musik, Text, Stimme, Gefühl, Geist und Rhythmus zu einem fast spirituellen Ganzen, das direkt aus dem Herzen spricht. Emotionaler und ehrlicher kann Musik nicht sein. Ich liebe Mind.In.A.Box und ich liebe „Dreamweb“. Wenn es je zur Wahl kommt, welche 10 CDs man auf eine Insel mitnimmt – „Dreamweb“ wird dabei sein. Auch wenn man selbst längst das eine oder andere beengende Netz zerschlagen hat, „Dreamweb“ fordert einen stets aufs neue – und das ist verdammt gut so. Aus tiefstem Herzen: Sechs Punkte!

Anspiel-Tipps:

Lament for Lost Dreams

Loyalty

Sun and Storm

Out of Time

Between Worlds

Fazit:

Mind.In.A.Box Dreamweb

Für alle, die dem Stillstand widersagen! Veränderung ist das Leben! (6)

(Hohenstaufen)

 
 
 

 

Der  Schmerz ist der große Lehrer des Menschen, unter seinem Hauch entfalten sich Seelen. Maria von Ebner-Eschenbach gab mit diesem Zitat vor, was Lacrimosa auf Lichtgestalt zu Ende denken. Auf acht (neun – inklusive Hidden Track) perfekt arrangierten Lacrimosa Hymnen erzählen Tillo Wolf und Anne Nurmi von der bitteren Erkenntnis, dass die „Lichtgestalt“ sich erst dann offenbart, wenn der Schmerz reinigend durch das Herz rast. Zuerst kommt der Tod. Die Auferstehung kommt hinterher. Auf „Kelch der Liebe“ etwa singt Tillo Wolf: „Ich brauch kein Leben! Ich brauch nur Dich!“. Hingabe, Sehnsucht heißt hier die Devise. Selbstaufgabe ist der Preis. Erst fünf Nummern später kommt die Erlösung. „Letzte Ausfahrt: Leben“. Lacrimosa gehen mit „Lichtgestalt“ dem alten Thema nach, dass Veränderung, Offenbarung, Erleuchtung und Erkenntnis erst dann möglich sind, wenn der Schmerz das Herz zerreißt und alles niederbrennt, was man früher geliebt hat. Man muss erst sterben, um zu leben. Tillo Wolff bringt es auf den Punkt: „Lichtgestalt – in deren Schatten ich mich drehe (verändere)“. Das neue Album von Lacrimosa ist ein lyrisch-philosophisches Meisterwerk, das zwischen den Zeilen, den Schlüssel zur wahren Erkenntnis birgt. Wer sich nach Vollendung sehnt, findet alles was man dazu braucht auf „Lichtgestalt“. Ich lebe! Sechs Punkte.

Anspiel-Tipps:

Sapphire

Lichtgestalt

My Last Goodbye

Letzte Ausfahrt: Leben

Fazit:

Lacrimosa Lichtgestalt

Nur ein kleiner Schritt genügt und wir gehen auf neuen Wegen (6)

(Hohenstaufen)

 
 
 
 

 

This  is Techno Body Music! - der Titel von Combichrist ist Programm: "Im Rhyhmus bleiben" beschworen einst Front 242 und "Beweg deine Hüften" skandierten noch früher DAF. Die Jünger haben schlußendlich ihre Mission begriffen und beginnen wieder dort, wo sich einst die Wege des Techno und EBM scheinbar trennten. Viele Puristen sehen den Zusammenhang nicht und trotzdem ist es doch so offensichtlich, dass das zusammenwächst, was zusammen gehört. Möchte man TBM auf das reduzieren was es ist, nämlich EBM und Techno zu vereinen, um jeweils aus den tanzbarsten Elementen dieser Musikrichtungen eine noch explosivere Mischung mit den modernen Mitteln der heutigen Produktionstechnologie zu erzeugen, so wird der geneigte Zuhörer das Resultat mit sehr hohem Spaßfaktor sehr zu schätzen wissen. Möchte man nach wie vor den Standpunkt einnehmen, dass kein offensichtlicher Konnex zwischen diesen Musikrichtungen besteht, der wird sicher auch mit diesem Sampler nicht bekehrt werden können. Zumindest ist diese Entwicklung aus meiner Sicht die interessanteste Variante der elektronischen Musik. Techno war nie Eurotrash und EBM war schon immer die Wurzel des Techno. Beweg deine Hüften und das mit der Vehemenz die unsere Zeit erfordert. Treibend, fordernd und äußerst dynamisch. Die CD ist einfach als ganzes ein sehr gelungenes Abbild der wichtigsten Interpreten die  in der TBM Szene als maßgeblich gelten.

Anspiel-Tipps:

Am besten alles durchhören!

Fazit:

Techno Body Music Vol. 1

Besorgen, hören, tanzen!!! (6)

(Eisengrind)

 
 

 

Ich  weiß nicht voran es liegt. Aber manche Alben klingen schon beim ersten Mal anhören, als kenne man sie schon seit Jahren. Die neue [:SITD:] ist genau so ein Album. Alles ist bekannt, doch nicht abgenützt, man findet sich gleich zurecht und dennoch gibt es neue Wege, neue Ideen. Ein Wunderwerk also? Mit Einschränkungen, durchaus! Jede Nummer sitzt, ist gut produziert und poltert wuchtig dahin – untermalt mit Streichersamples und teils hymnischen Arrangements. Sei es nun „Richtfest“ oder „Wegweiser“ oder mein persönlicher Favorit „Crusade“: [:SITD:] rocken das Haus. Und so muss sich eigentlich jeder Electrofan „coded message: 12“ fett und rot auf seinen Einkaufszettel schreiben. Nur, wo ist die Einschränkung? Beim Sport liegt der Sieger gegenüber dem Zweitplatzierten oft nur ein paar Hundertstel voran. Wo der Zweitplatzierte seine Zeit verloren hat, ist mit Verstand und Analyse kaum auszumachen. Meist ist es der gelassene Wille zum Sieg, der dem Zweiten fehlt. Meist ist die Verkrampftheit, die dem Zweiten den Sieg streitig macht. „coded message: 12“ schlägt die Konkurrenz um Längen. Aber zum Sieg reicht es eben um ein paar Hundertstel nicht. 5,5 Punkte.

Anspiel-Tipps:

Richtfest

Wegweiser

Crusade

Relief

Fazit:

[:SITD:] coded message: 12

Knapp am Meilenstein vorbeigeschrammt - dennoch großartig! (5,5)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Alfa  Matrix hat sich hier wohl selbst übertroffen – 60 Dark Electro Tracks auf 4 CDs gepackt ohne den oft üblichen Mist diverser anderer Compilations, der lediglich als Lückenfüller zwischen einigen größeren und kleineren Clubkrachern dient! Namhafte Acts wohin das Auge reicht, dennoch finden sich auch ein paar wenige unbekanntere Bands, die aber spielend mit ihren Kollegen konkurrieren können und Lust auf mehr machen. Die Tracklist kann sich natürlich ebenfalls sehen lassen – viel unveröffentlichtes Material und sehr gelungene Remixes neben einigen bekannten Originalversionen, bemerkenswert ist auch die Balance zwischen den unterschiedlichen Härtegraden des Sounds. Ich bin jedenfalls gespannt, ob im Laufe des Jahrs 2005 eine andere Compilation die Bunkertracks schlagen kann – es wird jedenfalls sehr schwer werden! Übrigens, nicht allzu lange überlegen, ob ihr euch die Box leisten könnt oder wollt – die Auflage ist auf 1666 Stück limitiert…

Anspiel-Tipps:

Wären bei dieser Compilation wohl absurd!

Einfach in alle 4 CDs reinhören :-)

Fazit:

Endzeit Bunkertracks [ACT 1]

Unschlagbar - schnell kaufen! (6)

(Justine)

 
 

 

Bei  diesem Album lautet die Produktbezeichnung wohl ohne lange Bedenkzeit „100% Future-Pop“! Dass dieses Konzept keineswegs langweilig sein muss wird mit „Gelb“ äußerst souverän bewiesen, jeder einzelne Song auf diesem Album fügt sich perfekt in die Albumstruktur ein. Langsamere Tracks wie „Ich spüre keinen Schmerz“ oder „Are you alive“ dienen nicht bloß als Lückenfüller zwischen Tanzflächenfüllern wie „Bomb“, „Why don't you hate me“ und „Waving hands“, sondern geben dem Album den nötigen Feinschliff und sorgen für willkommene Abwechslung. „Gelb“ hat mich wirklich vollkommen überzeugt und auch überrascht, da ich im Grunde kein eingefleischter Future-Pop Fan bin und zuvor dem Album eher skeptisch eingestellt war, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren! Übrigens, besonders nett finde ich die Coverversion von „They're coming to take me away“…

Anspiel-Tipps:

Why don't you hate me

The bomb

I don't need the city

Waving hands

Ich spüre keinen Schmerz

Are you alive

They're coming to take you away

Fazit:

Neuroticfish Gelb.

Abwechslungsreicher Future-Pop, ohne bloß ein müder Abklatsch zu sein! (6)

(Justine)

 
 

 

Andy  LaPlegua ist wieder da. Und er hat viel zu sagen. Darum wundert es auch nicht, dass das neue CombiChrist-Album "Everybody Hates You" als Doppelalbum erscheint. Laut, die eine Seite, still, die andere; Disk I das schlagende Meisterwerk, Disk II, das vergiftende. Aber beginnen wir mit CD Nummer Eins. Scheinbar mühelos setzt Herr LaPlegua einen Meilenstein im noch relativ jungen Genre des Techno Body Music. War Andy LaPlegua bei "The Joy of Gunz" noch auf der Suche nach dem typischen CombiChrist-Sound, so hat er ihn spätestens jetzt gefunden. Fein platzierte Samples, technoide Sounds, dahinbrausend auf schweißtreibenden EBM-Rhythmen und kahl schlagenden Industrialflächen: das ist CombiChrist, das ist "Everybody Hates You". Wo Kritiker des TBM jetzt ein seelenloses Gedröhne wittern, schafft Andy LaPlegua ein Sound-Spektrum, das sich alleine schon durch seine rhythmische Vielfalt und Ausgewogenheit und vor allem durch sein grandioses Timing vom üblichen Electro-Brei abhebt. "Everybody Hates You" überzeugt von der ersten bis zur letzten Nummer - nicht zuletzt durch Abwechslung. Nicht zu vergessen ist natürlich die Disk II von "Everybody Hates You": Eine Melange aus paranoiden Electro-Chillout, durchwoben mit Trance und Ambient zieht einen unweigerlich in den Bann. Zeigt Disk I mit seiner schaudernd rüden Brachialität noch quasi expressionistisch die Schattenseiten des menschlichen Umtriebes (God Bless), so ergänzt Disk II diese um ihre impressionistische Seite. "Everbody Hates You" ist im Gesamten betrachtet, wie lautstille Gewitterruhe. Vielleicht trifft es das am besten. Und wieder. 6 Punkte.

Anspiel-Tipps:

this s*it will fcuk you up

enjoy the abuse

blut royale

god bless

happy fcuking birthday

without emotions

wreckage

fever

Fazit:

CombiChrist Everybody Hates You.

Die zwei Seiten des Seins. Wütend traurig auf den Punkt gebracht. Enjoy The Abuse! (6)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Der  Trilogie Ende: Menschfeind vernichtet, wo Nigredo noch Hoffnung macht. Mit der fast 42 Minuten langen EP „Menschfeind“ erreichen Diary of Dreams einen neuen Höhepunkt ihres Schaffens. Schon mit der ersten Nummer „Menschfeind“ machen die Mannen um Adrian Hates klar, dass es in ihrer Utopie ums nackte Überleben geht. Kein Optimismus, keine trällernden Visionen. Im Gegenteil. Leben konfrontiert mit der Wirklichkeit, unnachgiebig, kalt und grausam und in Szene gesetzt von orchestralen Wänden, pulsierenden Beats und der bedrohlich, sinnlichen Stimme von Herrn Hates. Doch wer jetzt denkt, dass Menschfeind auslöscht, irrt. Menschfeind tötet nicht, Menschfeind lähmt. Diary of Dreams gelingt es, dass ihre Musik wie die Hand eines Puppenspieles in das Kostüm des Hörers schlüpft und ihn von innen heraus mit Leben erfüllt. Und ist man während Menschfeind noch lebendig, so fällt bald darauf die Wirklichkeit wie eine bleierne Decke auf einen herein. „Die Zeit des Augenblicks ist um.“ Jetzt geht es um das Ganze! Sechs Punkte!

Anspiel-Tipps:

Die ganze EP!

Fazit:

Diary of Dreams MenschFeind.

"Die Zeit des Augenblicks ist um." Meilenstein. Ohne Widerrede. (6)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Das  aktuelle Projekt von Daniel Myer nennt sich "Destroid" und liefert eine konzentrierte Dosis Elektro Pop vermengt mit Industrial Einflüssen. Verzerrte Stimmeinlagen, stark treibende Samples, eingebettet in einer rhythmisch melodischen Struktur ergeben zum Teil eine recht aggressive Mischung mit sehr hohem Tanzfaktor. Wenn man die Umtriebigkeit des Projektschöpfers in Betracht zieht, die eine Vielzahl von Projekten beinhaltet, so kann zumindest Destroid mit einer sehr sauberen Produktion und hochwertigem Songmaterial durchwegs überzeugen. Eine Stunde, die durchaus den Hörer eine vielfältige Darstellung im Elektrobereich liefert und somit sehr leicht die Gunst des geneigten Hörers finden wird.

Anspiel-Tipps:

Broken and Abused

Judgement Throne

Sir William

Denial of Life

Existence

Fazit:

Destroid Future Prophecies.

Vielschichtig und anziehend gewürzt mit dem typischen Myer-Sound. (4)

(Eisengrind)

 
 

 

Stahlfrequenz  ist eine Industrial-Formation aus Köln, die im Jahre 2002 von Markus Houben und Klaus Richter gegründet wurde. Beeindruckt von der Kraft und Ästhetik der Industrie wurde dieser Eindruck auch konsequent musikalisch umgesetzt. Seitdem sind sie kontinuierlich damit beschäftigt, neue Soundstrukturen zu entwickeln, die eine ganz rigide Interpretation des Industrial ohne verwässernder Einflüsse transportiert. Auf ihrem Debüt-Album „Erstschlag“ setzen Stahlfrequenz die atmosphärische Dichte von Industrieanlagen in eine adrenalingeladene, treibende und vorwärts peitschende akustische Attacke um. Die Soundbandbreite reicht dabei von Soundcollagen bis hin zu rhythmischen Tanzboden-Füller ala XotoX. Für alle Freunde der härteren Gangart ein Pflichtkauf.

Anspiel-Tipps:

L'ordre noir

Gegenschlag

Kampfstand

Eisensturm

Fazit:

Stahlfrequenz Gegenschlag.

Stahlfrequenz - ein Name, der verpflichtet. Ohne Widerrede! (4)

(Eisengrind)

 
 

 

Herzlich  willkommen meine Damen und Herren - in der Welt, in der ein „Riesenraddieb“, „ein Mädchen im Inneren eines Ketten..Karussells“, ein „Junge in einem Brunnen“, ein „K.haos-Prinz mit seiner Wind-Prinzessin“ und viele viele Tiere leben. Unweit des Flohzirkus findet man dort auch „a.Ura in ihrem Schnecken.Haus“. Nein – das ist nicht der Beginn eines Märchens – wir befinden uns vielmehr mitten im neuen Album „a.Ura und das Schnecken.Haus“ von Samsas Traum. Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, was euch auf diesem Album erwartet. Kein Song gleicht dem anderen - "a.Ura" präsentiert sich vielschichtig und voller Abwechslung - aggressiv, depressiv und hoffnungsvoll zugleich. Menschliche Abgründe werden durchleuchtet und der Hörer taucht in die emotionale Welt des menschlichen Geistes ab. Wie beim letzten Album "Tineoidea" arbeitet die Band rund um Mastermind Alexander Kaschte auch diesmal wieder mit musikalischen Gästen zusammen. Alf Poier, der beim Song Contest 2003 eine recht ungewöhnliche und zugleich tierfreundliche Darbietung mit seinem Lied "Weil der Mensch zählt" geboten hatte, hat die kurze Sprechrolle des Zebras in "Ich wünsch' mir, dass das Zebra schweigt" übernommen. Constance Rudert von Blutengel lieh ihre Stimme der „Königin der Kinder.Katzen“, einem Song der von der Katze Janis, einer Händefetischistin handelt. Das gelungene Art Work für das Album stammt unverkennbar von Ingo Römling. „a.Ura und das Schnecken.Haus“ ist ein weiteres Zeugnis für die utopische, außergewöhnliche Musik von Samsas Traum - vielleicht nicht jedermanns Sache, aber wer ein bisschen tiefer reinhört, wird sich schnell gefangen fühlen.

Anspiel-Tipps:

K.ein einziges Wort

Der Junge lebt im Brunnen

Sisyphos

a.Ura und das Schnecken.Haus

Ein Name im Kristall

K.haos-Prinz und Wind-Prinzessin

Endstation Eden

 

Fazit:

Samsas Traum a.Ura und das Schnecken.Haus

Es darf geträumt, geweint und getanzt werden. Reinhören lohnt sich auf jeden Fall - für eingefleischte Samsas Traum Fans ein Muss. (4)

(Lilith)

 
 

 

Der  neue Höhenflug des Disco-Buddha. Monolith - Soloprojekt von Ex-Klinikmann Eric van Wonthergem - überzeugt mit seinem neuen Album 15 Seconds auf ganzer Linie. Keine Angst, Monolith setzt diesmal nicht auf (oft) verwechselbaren Industrial sondern geht erstaunlich neue Wege. Industrial vermengt sich mit Minimal, Electro mit feinem 80er Synth-Sound. Erinnert sich noch jemand am Marc Steward? An distanzierte Nähe, an wärmende Kälte? Vielleicht trifft es das. Alles in allem ist 15 Seconds ein erfrischend anderes Industrial-Electro Album. Weniger brachial, mehr sensibel, variabel. Und am besten wird Monolith, wenn die weiblichen Vocals den fragil-stabilen (ich liebe in diesem Zusammenhang Gegensatzpaare) Sound von 15 Seconds veredeln. Bleiben nur noch zwei Dinge zu empfehlen: Erstens. 15 Seconds gehört mehrmals gehört. Zweitens: Die limitierte Bonus-Edition mit wunderbaren (!) Remixen ist den Aufpreis zu hundert Prozent wert.

Anspiel-Tipps:

My Worst Fear

Shot!

"15 Seconds"

Lifesupport System (Biosphere Bodymix)

 

Fazit:

Monolith "15 Seconds"

Facettenreich, spannend und immer wieder überraschend. (5)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Sero.Overdose sind wieder da und liefern mit „No Time for ‚Club' Silence“ eine limitierte Club-EP ab, die recht ordentlich Appetit auf das kommende Album „To Time for Silence“ macht. Eines vorweg: Viel hat sich nicht geändert. Sero.Overdose sind ihrer Linie treu geblieben, produzieren netten, weichen Club-Sound, der seine Fans sicherlich nicht enttäuscht. Obwohl ich ja gestehen muss, dass mich die ersten drei Tracks ein wenig gelangweilt zurück ließen. Doch ab „Horizont“ stellt sich endlich das Sero.Overdose-Gefühl ein, das mir bei „Rain“, „Never“ und „She“ schmerzlich fehlte. Natürlich, „Horizont“ ist der erste Remix auf „No Time for ‚Club' Silence“, aber genau diese Remixe sind es, die „No Time for ‚Club' Silence“ zu einem absoluten Kauftipp machen. Nach „Horizont“ folgen weitere wunderbare Remixes, wobei „Wir“ von Suicide Commando und das fein verwobene „She“-Remix der Wiener Durchstarter Vicious Dreams mit Abstand am meisten punkten. Rund um also eine tolle Sammlung, die Lust auf mehr macht.

Anspiel-Tipps:

Horizont (Club Remix)

Wir (Analogue Brain)

Wir (Suicide Commando)

She (Vicious Dreams)

 

Fazit:

Sero.Overdose No Time For "Club" Silence

Feinste Remixes der Sero.Overdose-Hymnen. (5)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Unverblümt und künstlerisch veredelt: das ist Stendal Blast mit ihrem neuen Meisterwerk "Schmutzige Hände". Wie kaum eine andere Band schafft es Stendal Blast mit ihrem sensiblen Elektro- und Gitarrensound das auszusprechen, jene Dinge anzusprechen, die in der Realität nur zu gerne unter den Teppich gekehrt werden: verdorrten Liebesbeziehungen, soziale Dekadenzen und wunde Selbstfindungsversuche. Und so ganz nebenbei schafft es Stendal Blast auch, diese Themen ohne Klischees oder unterkühlten Pathos auszudrücken. Mit Fingerspitzengefühl und feiner expressionistischer Lyrik erzählen Stendal Blast von unserer Welt und durchleuchten mit ihrem unvergleichlichen Humor die herben Seiten unseres Daseins, die aufgezwirbelt zu einem Lebensmotto, oft große Teile der Schwarzen Szene durchwachsen. Auf Schmutzige Hände finden sich 14 Songs, die alle ihre eigene Geschichte erzählen, die alle unverwechselbar Stendal Blast sind und: die sich alle nach einer gewissen Zeit anfühlen, als hätte man guten Wein getrunken. (Ich weiß, ich neige zur Romantik). Kurzum: Stendal Blast gehört sicherlich zu den besten Alben des Jahres 2004. Für mich jedenfalls.

Anspiel-Tipps:

Trümmer

Schmutzige Hände

My private Puff

Die totale Disco

Die Frau im roten Kleid

 

Fazit:

Stendal Blast Schmutzige Hände

Sicherlich eine der besten Neuerscheinungen 2004 - expressionistisch unkorrekt. (6)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Audiotherapie  in einer psychiatrischen Klinik – naja, ob dieses Album in der Praxis wirklich dafür geeignet wäre, möchte ich bezweifeln…Kranke Musik für kranke Menschen als Schocktherapie! Beim ersten Mal durchhören erscheint mir das Album sehr spröde und unzugänglich, die meisten Titel eher wie eine zähe Geräuschkulisse mit geringer Clubtauglichkeit. Aber egal, nicht jede Nummer muss diesen Anspruch erfüllen können! Das Album folgt einem Gesamtkonzept, das den Hörer dazu zwingt, darin einzutauchen – dazu bedarf es aber etwas mehr, als nur ein einmaliges Reinhören. Wer dazu keine Zeit oder Lust hat, wird trotzdem mit einigen Nummern belohnt, die den Bewegungsdrang entfachen: die bereits bekannte „Nachtwache“ steht dabei natürlich an vorderster Stelle, aber auch Titel wie „Harvey“, „Synapsenbrecher“ oder „Gabriel“ sind für eine weiterführende Bewegungstherapie geeignet.

Anspiel-Tipps:

Nachtwache

Gabriel

Harvey

Farbfetzen

Synapsenbrecher

Anstalt

 

Fazit:

Kiew Audiotherapy

Über Wirkungen und Nebenwirkungen fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker... (5)

(Justine)

 
 

 

Das im November erschienene Album besteht aus Remixes von neuen und älteren Icon of Coil Nummern, darüber hinaus haben die erfolgsverwöhnten Nordlichter noch ein paar unveröffentlichte Tracks dazugepackt. Konzepte dieser Art beinhalten meist schon prinzipiell den Kritikpunkt der mangelnden Innovation, dem muss ich mich leider zähneknirschend anschließen! Abgesehen davon ist es ihnen aber bei den meisten Nummern gelungen, eine extrem cluborientierte, harte und treibende Alternative zu den altbekannten Versionen zu schaffen, die wohl nicht nur eingefleischten Icon of Coil Fans die Tanzwut in die Beine treiben wird. Ob dieses Album nun wirklich notwendig war oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. Für mich persönlich finden sich jedenfalls einige Nummern, die ich zukünftig bestimmt den ursprünglichen Albumversionen vorziehen werde. Trotzdem freu ich mich schon auf das nächste, wirklich „neue“ Icon of Coil Album!

Anspiel-Tipps:

Thrillcapsule (Moonitor Remix)

Shallow Nation (2004 Version)

Simulated (Funker Vogt Remix)

Access and Amplify (FGFC820 Mix)

 

Fazit:

Icon Of Coil Uploaded And Remixed

Nicht wirklich neu, aber eine nette Bereicherung auf der Tanzfläche! (4)

(Justine)

 
 

 

Unglaublich! Das neue Album von Flesh Field ist die Überraschung des Jahres 2004! Neben mind.in.a.box (ebenfalls auf dependent) gelingt es auch Flesh Field, Electro raffiniert neu zu definieren. Das neue Album „Strain“ besticht neben epochalen Hymnen, Power-Electro und feinsten Anleihen aus Industrial und EBM vor allem durch eines: Abwechslung! Jede Nummer hat ihren eigenen Charakter, jeder Song ist in sich geschachtelt und geschickt virtuos in Szene gesetzt. Spannender kann Musik nicht sein! Schon der phantastische Opener „Uprising“ zeigt, wohin die Reise geht: Samples des Szene-Hits „One Eyed Man“ von This Morn' Omina treffen auf NiN-Riffs und krachenden Clubbeats samt Bläserversatzstücken – Gott, was willst du mehr: ein Meisterwerk! Mastermind Ian Ross und die wunderbare (!) Wendy Yanko bringen mit „Strain“ eines der besten Album des Jahres 2004 heraus! Dreimal Daumen hoch und sieben Mal die Sechs-Punkte!

Anspiel-Tipps:

Uprising (!)

Reflect the Enemy

Seethe

Voice Of Dissent

The Collaps

Epiphany

 

Fazit:

Flesh Field Strain

Epochal, gewaltig, innovativ, laut, verspielt, sexy, charmant, brutal, roh, fragil: ein Meisterwerk! (6)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Das  Schaffen von Diary of Dreams erreicht mit dem aktuellen, lang erwarteten Konzeptalbum „Nigredo“ einen neuen Höhepunkt. Bei den Bewertungen durch Orkus, Sonic Seducer und Zillo wurden beachtliche Resultate erzielt. Und tatsächlich erklingt mit „Nigredo“ ein Werk, das neue Trends setzt – unnachahmlich eigen – ganz Diary of Dreams. Mehr als 2 Jahre sind seit dem letzten Album „Freak Perfume“ vergangen – und das Warten hat sich mehr als gelohnt. „Nigredo“ zeugt von der großen musikalischen Reife eines Gesamtkunstwerks und setzt neue Maßstäbe – es ist düster, eindringlich, bedrohlich und melancholisch zugleich. Mit viel Liebe zum Detail entstand auch graphisch ein Meisterwerk – die streng limitierte Sonderauflage erscheint in einer hochwertigen Box mit einem aufwändig gestalteten Booklet mit zusätzlichen Texten und Bildern. Zwei Jahre lang wurde für die Geschichte hinter „Nigredo“ recherchiert, ein Fotoshooting führte die Band sogar nach Island. Daraus entstand eine Mythologie aus Fiktion und historischen Ereignissen, die den Leser und Hörer auf eine Reise in eine völlig neue Gedankenwelt mitnimmt – Legende und Traum werden Realität. Damit fügt sich „Nigredo“ erneut in die Philosophie der Band rund um Mastermind Adrian Hates ein. Denn Ziel von Diary of Dreams ist es, Menschen dazu zu inspirieren eine Traumwelt aufzubauen, in der sie Zuflucht finden. Dafür werden Symbole und Metaphern benutzt, um für jeden Hörer eigene Interpretationsansätze offen zu lassen. So werden sich auch für jeden Hörer persönliche Highlights finden – sei es der hypnotisch düstere „Giftraum“, oder auch „Kindrom“, „Psycho-Logic“ oder „Krank:Haft“ bzw. für Melancholiker und Träumer „Charma Sleeper“ und „Portrait of a Cynic“. „Nigredo“ belegt einmal mehr den Status von Diary of Dreams als Aushängeschild für melancholisch elektronische Musik.

Anspiel-Tipps:

Giftraum

Kindrom

Psycho-Logic

Krank:Haft

Charma Sleeper

Portrait of a Cynic

Mask of Shame

Fazit:

Diary of Dreams Nigredo

Schwermütige Melodien vereinigt mit treibenden Beats und der traurig-dunklen Stimme von Adrian Hates – ein emotionales, mystisches Gesamtkunstwerk (5)

(Lilith)

 
 

 

The  Azoic haben es nicht leicht. Nach dem fulminanten Conflict (natürlich im Combichrist Remix) erwartete man vom neuen Longplayer rund um Kristy Venrick und Steve Laskarides doch recht Ordentliches. Doch ähnlich wie bei der letzten Hocico Release, bleibt man enttäuscht. Illuminate ist angesiedelt zwischen Dance und Trance und manchmal entsteht sogar der Eindruck Gigi D'Agostino steht beratschlagend zur Seite. Dennoch ist Illuminate nicht gänzlich von den Playern zu verbannen. Songs wie „The One“ oder „Carve Into You“ sind zumindest kleinere Perlen im immer größeren werdenden Meer durchschnittlichen Electros.

Anspiel-Tipps:

Let Me Tell You Something

Going Under

The One

Conflict

Carve Into You [Edit 2003]

 

Fazit:

The Azoic Illuminate

Mit Mittelmaß in die Club. The Azoic enttäuscht. (3)

(Hohenstaufen)

 
 

 

Andy  LaPlegua hat mit seinem Projekt Combichrist erneut eine sehr beeindruckende Neuveröffentlichung abgeliefert. Beeindruckend deshalb, weil neue Dimensionen zum schon bisher sehr überzeugenden Sound hinzugefügt worden sind. Seit dem Debut mit Joy of Guns sind viele auf den Geschmack des härteren Electro-Industrial gekommen. Und nun wird nahtlos an den bisher sehr rhythmus-orientierten Stil angeknüpft und um noch eins draufzusetzen, werden zusätzlich Techno und EBM zu einer unwiderstehlichen Kombination verwoben. Sex Drogen und Industrial, ein musikalisches Inferno, Meilenstein im Bereich des tanzbaren Electro.

 

Anspiel-Tipps:

Die ganze CD!

 

Fazit:

Combichrist Sex, Drogen Und Industrial

Sex, Drogen Und Industrial - der Titel ist Programm. (6)

(Eisengrind)

 

 
 

 

Hocico is back! Wie erwartet liefern Erk Aicrag und Racso Agroyam mit “Wrack and Ruin” ein neues Meisterwerk in Sachen Dark-Electro vor. Neues Meisterwerk? Mitnichten. War schon die Vorfreude nach dem eher schwachen „Born To Be (Hated) verhalten, so sucht man bei „Wrack and Ruin“ vergeblich nach der Größe, die man sich erhofft hatte. Keine Angst. Das neue Hocico-Album ist ein sehr feines Machwerk, gestrickt aus den gewohnten elektronischen Zutaten. Augenfällig nur, dass Hocico weniger aggressiv an Werk gehen, wie bei ihren früheren Stücken. Stiller, ruhiger wirkt „Wrack and Ruin“, unentschlossen und orientierungslos. Was bleibt also ist ein Hocico-Album, das mit Bravur die Pflicht erfüllt. Zur Kür fehlt diesmal allerdings ein wenig die Muse.

Anspiel-Tipps:

Tales From The Third World

Bizarre Words

Ecos

 

Fazit:

Hocico Wrack And Ruin

Weniger aggressiv, doch in jedem Fall: Hocico. (4)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Mit der Vorveröffentlichung "Let The Wind Erase Me" lieferte Tom Shear einen Tanzflächenfüller wie er typischer nicht sein könnte. Man könnte nun zwar auf den Gedanken kommen und Mr. Shear vorwerfen sich nicht weiterentwickelt zu haben oder einfach auf Nummer sicher gegangen zu sein. Aber es besteht kein Zweifel daran, dass mit ihrem vierten Album „Storm“ Assemblage 23 das bisher aufwendigste und vielseitigste Album ihres bisherigen Schaffens präsentieren und zeigen, dass sie sehr gekonnt Bewährtes mit neuen Einflüssen kombinieren können. Electro Alben haben meist die unangenehme Eigenschaft, bei mehrmaligem Hören sehr rasch langweilig zu wirken. Tom Shear gelingt es anscheinend mühelos aus den Elementen Spannung, Dynamik und ruhigeren Zwischentönen eine facettenreiche Darstellung seiner Fähigkeiten zu bieten. Alles in allem ein sehr modernes, vielschichtiges und ausgezeichnet produziertes Album.

Anspiel-Tipps:

Human

Let The Wind Erase Me

Regret

Apart

 

Fazit:

Assemblage 23 Storm

Dynamsicher Future-Pop, hochwertig produziert. (5)

(Eisengrind)

 

 
 

 

Zugegeben, Interlace wird nicht jedermanns Sache sein. Der schwermütige EBM/Industrial sperrt sich anfangs noch recht heftig gegen jede schnelle Euphorie. Zu konzipiert sind die Songs, zu dicht, zu spontan die Strukturen. Doch wer den Einstieg zu „Imago“ über Songs wie „Sleep On Stones“ oder über das hervorragende „Master“ gefunden hat, wird belohnt mit einer beruhigend unruhigen Welt tiefschwarzen EBMs mit unzähligen Industrial-Anleihen. Was übrig bleibt ist ein Album, das man vor allem an nebeligen Herbsttagen immer und immer wieder in den Player schiebt.

Anspiel-Tipps:

Master

Sleep on Stones

Conformity

Track Two

Veneer

 

Fazit:

Interlace Imago

Industrielle Schwermut für trübe Herbstnächte. (5)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Liebe und Beziehungsschmerz, Trauer, Wut, Resignation – große Gefühle, verpackt in einer einmaligen Mischung aus GothRock und elektronischen Elementen – das ist das neue Album „Gezeiten“ von L'Âme Immortelle, das das Wiener Duo Thomas Rainer und Sonja Kraushofer sicherlich weiter auf Erfolgskurs halten wird. Die aktuelle Single „5 Jahre" feierte ja bereits beachtliche Single-Charterfolge in Deutschland. Das Album wurde von John A. Rivers (Dead can Dance) und Rhys Fulber (Fear Factory, Paradise Lost, Front Line Assembly) produziert. Es transportiert auch wieder jene Elemente, für die L'Âme Immortelle steht und die schon bei vorangegangen Veröffentlichungen für den Erfolg sorgten: hochkonzentrierte Emotionen die berühren. Bei „Gezeiten“ geht es um zwei Menschen, so Mastermind Thomas Rainer in unserem Interview, die nicht zueinander finden können, weil sich jeder in seiner eigenen Welt befindet, aus der sie nicht ausbrechen können. Sie können nicht miteinander leben, aber auch nicht ohne einander, genau das ist ihr Verderben. „Gezeiten“ ist eindeutig rockiger, als die bisherigen L'Âme Immortelle Werke und ist sehr abwechslungsreich gestaltet. So sorgten neben Gitarrenvirtuose Ashley Dayour auch Aaron Aedy (Paradise Lost Gitarrist) und Lee Morris (ehemals Paradise Lost Drummer) für brachiale Gitarrenriffs, analoge Synthesizer und knallharte Drumloops – bestes Beispiel dafür ist der Titel „Fear“. Ganz anders präsentiert sich hingegen die Nummer "Ohne Dich": nur Sonjas Stimme, begleitet von einem Cello, Schlagzeug und Thomas am Klavier. Aber auch Tanzwütige kommen nicht zu kurz - "Masquerade“ lädt mit stampfendem Rhythmus zum Abtanzen ein, und auch bei „Rain“ und „Kingdom“ fällt es schwer, ruhig stehen zu bleiben.

Anspiel-Tipps:

5 Jahre

Fear

Gezeiten

Masquerade

Ohne Dich

 

Fazit:

L'Âme Immortelle Gezeiten

Berührend, aggressiv, gegensätzlich - ein Album, das eine Geschichte erzählt. (6)

(Lilith)

 

 
 

 

Achtung ätzend – so der Titel des Debut-Albums der Frankfurter Band Antistasis: also, meiner Meinung nach verursacht dieser Titel absolut falsche Erwartungen! Schmutzig dumpfer und krachender Sound führt einen auf einen kalten und beängstigenden Trip in die dunkle Unendlichkeit – so mein Eindruck… Die Stimmung wird dabei perfekt von den Sprachsamples zwischen den einzelnen Nummern unterstrichen, die jeweils Passagen aus Kinofilmen wie z. B. Bladerunner, Dark Star, Poltergeist und The Abyss sind. Andererseits: Achtung ätzend als Soundtrack zu diesen Filmen wäre wohl ebenfalls recht passend gewesen… ElectronicBodyNoise: ihr könnt euch darunter nichts vorstellen? Naja, so lautet jedenfalls die bandeigene Sounddefinition! Genauere Infos findet ihr unter www.antistasis.net . Aber am besten, ihr hört es euch selbst an – es lohnt sich!

Anspiel-Tipps:

Nothing Is Good

The World Is My Oyster

Ein Brennen

Something's Deep

 

Fazit:

Antistasis Achtung Aetzend

Tiefschwarzer Krach für schalldichte Wände! (5)

(Justine)

 

 
 

 

Experimentelle Geräusch und Strukturen bekommt man von den Amerikanern Terrorfakt serviert. Sehr peitschende, harte Beats, extrem vorwärts treibend und einfach perfekt produziert. Mehr kann man von modernem härteren Elektro nicht verlangen. Ganz eindeutig sind die Vorbilder wie Manufactura oder Synascape herauszuhören. Ohne Zurückhaltung werden einem mit einer sehr bestimmten brachialen Wucht die Beats entgegengeschleudert. Man kann nur mehr auf die Tanzfläche taumeln, um dort die aufgestaute Energie zu entladen. Die brutalen Rhythmen werden sicherlich restlos überzeugen können und natürlich werden Terrorfakt auch Fixstarter bei unseren Schwarzflug Events.

Anspiel-Tipps:

Achtung!

Arsenal

No Mercy

No Frequency

Spineless

 

Fazit:

Terrorfakt Cold Steel World

Extrem überzeugend; wunderbar kompakt und sehr tanzbar! Ein Produkt der Extraklasse! (6)

(Eisengrind)

 

 
 

 

Mike Johnson der schon bisher durch einige sehr gelungene Projekte überzeugen konnte (Infekktion, Agonoize; Sero Overdose), hat mit seiner letzten Veröffentlichung seinem bisherigen Schaffen einen qualitativen Höhepunkt gesetzt. „Hellektro“ nennt Mike Johnson den Stil auf Escape to Insane von Virtual Embrace. Und nomen est omen. Höllisch guten Elektro könnte man die Sache frei übersetzen. Schon mit dem ersten Track Dementia wird mit recht klarer Deutlichkeit darauf hingewiesen, wohin die Marschrichtung gehen soll. Es folgen noch reihenweise sehr überzeugende Titel die den sehr stimmigen Gesamteindruck noch zusätzlich verstärken. Für alle Hocico, Suicide Commando Fans kann ich diese CD nur wärmstens empfehlen. Tanzbodenfüller ohne Kompromisse und ohne miesen Füllmaterial. Übrigens: Wir werden diese CD sehr ausgiebig beim nächsten Schwarzflug präsentieren und sind schon sehr gespannt auf eure "Tanzresonanz".

Anspiel-Tipps:

Dementia

Must I Go?

The End

Love, Hate

Aquaintance

 

Fazit:

Virtual Embrace Escape to Insane

Hellelektro aus der Hitschmiede von Mike Johnson. Ein Meisterwerk. (6)

(Eisengrind)

 

 
 

 

Meine Güte, was für ein Album! Was Douglas McCarthy und Terence Fixmer mit ihrem Album „Between The Devil...“ geschafft haben, lässt sich in wenigen Worten nicht beschreiben. Douglas McCarthy, vielen bekannt als die geniale Stimme von Nitzer Ebb, und der Techno-DJ Terence Fixmer haben sich bei einem Remix-Projekt von alten Nitzer-Ebb-Nummern kennen gelernt. Bald war die Idee geboren, gemeinsam ein Album aufzunehmen. Heraus kam „Between The Devil...“, ein Blockbuster, vollgestopft mit unglaublichen Hits: messerscharf und wütend! Aggressiver, lauter und gewaltiger kann ein Album kaum mehr. Clubkracher wie Destroy oder Splitter wird man wahrscheinlich noch ein zehn Jahren hören – einfach unvergleichbar.

Anspiel-Tipps:

Freefall

Splitter

Destroy

You Want It

 

Fazit:

Fixmer/McCarthy Between The Devil...

Ein wütend polternder Meilenstein. Für alle EBM-Fans absolute Pflicht! (6)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Alex Matheu von Negative Format und Sector 9 Studios haben ein „Parallel“-Projekt ins Leben gerufen, das es wirklich in sich hat: 14 Nummern mit potentiellen Club-Hits, gesungen von Stars wie Tom Shear von Assemblage 23, Victoria Lloyd von Claire Voyant oder Mark Jackson von VNV-Nation. Was beim ersten Anhören noch eher nach einem verhaltenen Electro-Sampler daherkommt, entpuppt sich schon nach wenigem Hören, als fein gewobenen und perfekt produzierter Hit-Reigen. „Fusion“ ist voll mit hochwertigen Electro-Perlen, die seit dem nicht mehr aus meinem CD-Player wollen. „Fusion“ von Parallel Projet ist die Future- und Synth-Pop-Überraschung des Jahres.

Anspiel-Tipps:

Deleted Scenes

Explicit

Consequence

Glimpse

 

Fazit:

Parallel Project Fusion

Future- und Synth-Pop der Extraklasse! (5)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Alicia H. Willen und Francisco Planellas wachsen mit ihrem dritten Album über sich hinaus. Mit „Gas Alarm“ liefern sie ein so wummernd, geniales Machwerk ab, an dem die Industrialkonkurrenz wohl eine Weile zu knabbern haben wird. Hämmernde Industrial-Beats vermengen sich Dance- und Technoklängen. Gewürzt wird die aggressive Melange mit feinen Stimmen und rhythmisch ausgewogenen Noise-Elementen. Was für ein Album, was für eine Kraft. Industrial für Herz, Seele und Körper – genial, umwerfend und explosiv!

Anspiel-Tipps:

Modeller

Flameable

Piercing Ring (human mix)

Tumble dryer

Human tax

Where is my brain

Fazit:

Proyecto Mirage Gas Alarm

Süchtig machendes Industrialgewitter mit hohem Wiedererkennungswert! (5)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Das neue Album Lava ist in zwei Versionen erhältlich: Lava [glut] ist die eigentliche „Albumversion“, Lava [asche] ist die Clubversion. Beide Alben sind sowohl einzeln als auch in Form einer 2 CD-Box erhältlich, wobei ich dringend ans Herz lege, beide Versionen zu erwerben! Lava [glut] ist im typischen Das Ich-Stil gehalten: eindringlich, bombastisch, teils orchestral, setzt es sich tief in der Seele des Hörers fest. Nach der Veröffentlichung von „Antichrist“ waren schließlich die Erwartungen zu neuen Album ziemlich gespalten, mit Lava beweisen Das Ich aber wieder einmal, dass sie noch lange nicht am Ende ihres musikalischen Schaffens angelangt sind! Lava [asche] beweist das gleich noch ein zweites Mal – treibender Clubsound gepaart mit dem unverwechselbaren Gesang Stefan Ackermanns werden unweigerlich die Tanzflächen füllen! Gleichzeitig wurde damit ein völlig eigenständiges Album geschaffen, da sich die Titel in den jeweiligen Versionen sehr gelungen voneinander unterscheiden. Ich persönlich finde es sehr spannend, beide Alben vergleichend zu hören: letztendlich kann ich mich fast nicht entscheiden, welches mir besser gefällt, weil es sehr von der jeweiligen Grundstimmung abhängt. Meistens ist es aber Lava [asche] – ich bin ja ehrlich! Also, wie schon gesagt: am besten beide kaufen…

Anspiel-Tipps: Lava [glut]

Schwarzer Stern

Fieber

Tot im Kopf

 

Anspiel-Tipps: Lava [asche]

Uterus (vergib mir)

Vulkan

Seele tanzt (lass mich frei)

Fieber (stirb mit mir)

 

Fazit:

Das Ich Lava [glut & asche]

Neue Deutsche Todeskunst lebt! (5)

(Justine)

 

 
 

 

The  Cure hatten es im Grunde nie leicht. Seit ihrem Bestehen entzweien sie Kritiker wie Fans. Da sind die einen, die nach „Disintegration“ und dem schrecklichen „Lullaby“ der Band den Rücken kehrten. Und da sind die anderen, die seit eben diesem „Lullaby“ Cure lieben und ihnen sogar nach „Friday I'm In Love“ treu geblieben sind. Das Anbiedern an die Masse, die seltsamen „Bloodflowers“ und dann noch die Hiobsnachricht, dass das neue Cure-Album von Nu-Metal-Guru Robinson (Korn, Limp Bizkit, etc.) produziert wird: Cure-Fans der ersten Stunden hatten die Band wohl im Vorfeld schon abgeschrieben – trotz Dark Trilogy Tour. Aber dann kam alles anders. The Cure spielen alle Songs live im Studio ein und finden somit zum Esprit ihrer alten Tage wieder. Und das so scheinbar leicht und unaufdringlich, dass es ihnen irgendwie gelingt, dieses verklärte Gefühl früher Tage wieder wachzurufen, dieses weinende Lächeln, dieses wohlige Cure-Gefühl eben. Was es ist? Vielleicht „Before Three“, ein Song, der an alte Pavement-Songs erinnert. Oder doch „Lost“? I can´t find myself, I can´t find myself. Vielleicht ist “The Cure” eingeschränkt zu empfehlen. Wahrscheinlich entzweit sie wieder. Ich liebe dieses Album.

Anspiel-Tipps:

Lost

Before Three

Taking Off

The Promise

Fazit:

The Cure The Cure

Zurück ins Kinderzimmer: das beste Cure-Album seit über zehn Jahren! (4)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Das erste Album der Schweizer Dark Electro Band Transzendenz ist ein absoluter Geheimtipp für Fans des düsteren Electro-Sounds. „Ritual Electronic Sound“, so bezeichnen Transzendenz ihren innovativen Sound. Wer dabei an Medieval-Klänge mit elektronischer Untermalung und weiblicher Engelsstimme denkt, liegt absolut falsch! Transzendenz stehen für kraftvollen EBM, der streckenweise von Ritual Sound untermalt wird, gepaart mit harten deutschsprachigen, mystischen Texten. Das Album ist zur Zeit leider nur direkt unter www.transzendenz.org erhältlich – ein Aufwand, der sich aber wirklich lohnt!

Anspiel-Tipps:

Unterwelt

Stehend am Horizont

Lichtbringer

Tura (Suizidgefahr)

Endgültig

Blutvampir

Fazit:

Transzendenz Between Terra & Light

Suchtgefahr und absolute Clubtauglichkeit! (6)

(Justine)

 

 
 

 

Minimal, brachial. Retro, noiselastig. Der Wiener Simon Schall wagt sich mit seinem Album „Mit Ach und Krach“ (erschienen bei Steinklang) raus aus den gängigen Club-Kracher-Klischees und präsentiert ein wunderbares Album aus trocken-bedrohlichem Industrial, gepaart mit Erinnerungen an „Ein Produkt der Deutsch Amerikanischen Freundschaft“ und Haus Arafna. Der Blick zurück führt auch über das Cover, das mich gleich an „Nervous Systems“ erinnerte. Dennoch: wer glaubt hier rückwärtsgewandten Noise-Industrial zu erleben, irrt. „Mit Ach und Krach“ ist modern und subtil, widerspenstig und charmant.

Anspiel-Tipps:

Das Vöglein

Die Vergeltung

Die Fehlfunktion

Die Angst

Der Tod

Fazit:

Simon Schall Mit Ach und Krach.

Betäubender Industrial mit großer Zukunft. (5)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Weltweit limitierte Auflage von 1000 Stück: "Maschinenraum" diente vor allem als Vorbote für das Album Maschinenmusik. Neben Remixes von Electronic Veteran Gin Devo (ex-VOMITO NEGRO) und BLUTENGEL gibt es auch noch Remixes von den Seitenprojekten der Bandmitglieder darunter TECHNOIR und SERPENTS. Weiters vorzufinden sind Remixes von den Labelkollegen DUNKELWERK, GLIS und AIBOFORCEN. Plastic Noise Experience klingen so wie es Kraftwerk gerne schaffen würde aber mangels Kreativität (ja, ja ...das Alter) nicht mehr kann. So stell ich mir Electro auf höchstem Niveau vor. Kein Allerwelts Bum Bum und auch nicht experimentell um der Experimente Willen. Durchdacht, funktionell, maschinell...plastic noise experience eben....

Anspiel-Tipps:

Monoton/Synchron

Maschinen (Serpents Mix)

Prestigeobjekt (Blutengel Mix)

Fazit:

Plastic Noise Experience Maschinenraum.

Electro auf höchstem Niveau (5)

(Eisengrind)

 

 
 

 

Was für ein Album, was für eine Größe! Als ich vor wenigen Tagen das Debut von mind.in.a.box – Lost Alone in der Post fand, wusste ich noch nicht, welchen Meilenstein der Wiener Stefan Poiss mit dieser Scheibe gesetzt hat. Bei „Lost Alone“ wird jede Grenze verschoben, jede Erwartung mit einer Überraschung belohnt, jedes musikalische Gesetz mit einem Augenzwinkern verworfen. Wer jetzt glaubt einem Experimentalstück auf die Schliche gekommen zu sein, der irrt: denn „Lost Alone" ist nicht nur hör- und tanzbar, es ist wie ein lebendiger Organismus, der sich um einen schlingt und nicht mehr loslässt. Doch Vorsicht: Je öfter man in die Welt von „Lost Alone“ taucht und die verkrusteten Grenzen von Techno-Pop, Dance und Trance hinter sich lässt, desto tiefer dringt man in die Seele des Werkes ein – „Lost Alone“ lebt!

Anspiel-Tipps:

Change

Falling

Questions

Lost Alone

Walking

Forever Gone

Fazit:

mind.in.a.box Lost Alone.

Ein atemberaubendes Meisterwerk mit hohem Suchtfaktor! (6)

(Hohenstaufen)

 

 
 
 

 

EBM der alten Schule hat einen neuen Namen: Spetsnaz. Die beiden Schweden Pontus Stalberg und Stefan Nilsson drehen das Rad elektronischer Musik rückwärts und erreichen dennoch überraschend Neuland. Mit „Grand Design / Re-Designed“ liefert das Duo einen EBM-Klassiker ab, der sich deutlich von den gängigen Electro-Klischees abhebt. Wer das neue Album von Spetsnaz in seinen Player gibt, wird gleich zu Beginn überwältigt: unbequeme Songstrukturen, knappe, wuchtige Sounds und eine brachiale Stimmgewalt. Spetsnaz gießen den „alten Sound“ der frühen Front 242, Nitzer Ebb und Skinny Puppy in ein neues technisches Gewand und erspielen sich dabei mein wild pochendes in Elecro-Erinnerungen getauchtes Herz.

Anspiel-Tipps:

Plaything

Bloodsport

To The Core

Foul Play

Darkling

Everyday Song

Fazit:

Spetsnaz Grand Design / Re - Designed.

Don't lose control! Für Front 242-Fans Pflicht! (5)

(Hohenstaufen)

 

 
 
 

 

Cyrus, der Meister des Electro-Projektes „The Retrosic“ meldet sich zurück und lehrt seinen Konkurrenten das Fürchten. „God of Hell“ ist das vorläufige Highlight des Jahres 2004 – dunkel, böse, schwarz, erdrückend. Wo beim ersten Hinhören noch der Eindruck nach Meterware durchklingt, schwingt das Werk bei mehrmaligem Hören zu Höhen auf, die selbst Meister Wumpscut nie (selten) erreicht hat. Fährt die Eröffnung „The Storm“ (Beitrag auf Septic IV) noch im Fahrwasser solider Electroschmiedekunst, so ist spätestens ab dem dunkelschwarzen „Maneater“ klar: an The Retrosic wird lange niemand mehr vorbeikommen!

Anspiel-Tipps:

Maneater

New World Order

Dragonfire

Total War

Fazit:

The Retrosic God of Hell. Clubvolltreffer und Dauergast im CD-Player (6)

(Hohenstaufen)

 

 
 

 

Die neuen Titel sind stilistisch sehr gut gelungen und unterstreichen das, was die drei Berliner nunmehr klar und deutlich machen: Solitary Experiments haben ihren eigenen, unverkennbaren Stil! Für all jene, die lieber durchdachte, komplexe und intelligent instrumentierte Slow-Beats, als 140 bpm-Einheitsware bevorzugen, sehr empfehlenswert. Die zahlreich mitgelieferten Remixe zum neuen und alten Stoff sind alle gut umgesetzt und spiegeln auch sehr präzise den Stil der jeweils agierenden Bands. Aber es bleibt festzuhalten, dass die originären Songs die meisten Remixe bei weitem an Qualität und Einfallreichtum übertreffen.

Anspiel-Tipps:

Existence

Fast Forward

The Dark Inside Me (Plastic
Noise Experience Remix)

 

Fazit:

Solitary Experiments Cause & Effect. Individuelle Slowbeats (5)

(Eisengrind)

 

   
 

 

The  Azoic - den Namen sollte man sich als Hörer guter elektronischer Musik merken. Es handelt sich hierbei um die erste Europa-Veröffentlichung der US-Formation, die, wie der Titel schon sagt, eine Compilation inklusive einigen Remixversionen aus dem Album "forward" und der Single "conflict" darstellt. Besonders würde ich die Tracks 'Conflict (Combichrist Mix)' und 'Progression (Assemblage 23 Mix)' hervorheben. Sehr erwähnenswert ist auch noch die Stimme der Sängerin Kristy Venrick die eine sehr facettenreiche
Umsetzung der jeweiligen Tracks erst überhaupt ermöglicht. Wer den Musikstil von Icon of Coil, Assemblage 23 oder Covenant mag, kann hier bedenkenlos zugreifen.

Anspiel-Tipps:

Conflict (Combichrist Mix)

Progression (Assemblage 23 Mix)

Fazit:

The Azoic Forward + Conflict. Ein Meilenstein - ohne Zweifel (6)

(Eisengrind)

 

   
 

 

Mit Machines Are Us liefern Icon Of Coil nichts wirklich Neues. Aber das Gewohnte wurde hier sehr perfektioniert. Natürlich kann man argumentieren, dass das Material auf diesem Album teilweise recht seicht ausfällt und die Idee der zunehmenden Technisierung und Automatisierung in Verbindung mit der Enthumanisierung unserer Gesellschaft auch nicht gerade überwältigend neu erscheint. Trotzdem sind einige Tracks sehr gelungen und bieten allen Freunden von gehobenem Electro einen hohen Spaßfaktor.

Anspiel-Tipps:

Remove/Replace

Shelter

Wiretrip

Fazit:

Icon of Coil Machines Are Us. Facettenreicher Electro mit hoher Wiedererkennung (5)

(Eisengrind)

 

   
 

0 – Katastrophe; 1 – Schlecht; 2 – Lau;

3 – Wie alles andere; 4 – Gut; 5 – Großartig; 6 – Meilenstein

 
 
 
 
 
 











 
 
 

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